Freitag, 7. März 2008

Klein, aber oho!

Jeden Morgen ist es das Gleiche. Der Wecker klingelt viel zu früh und unterbricht die spannende Unterhaltung, die ich die ganze Nacht durch mit meinem Kopfkissen geführt habe. Aber da ist nichts zu machen. Schliesslich muss ich in 20 Minuten aus dem Haus. Dann mal los! Mit halb geschlossenen Augen anziehen, Haare bändigen, Reinigungsmilch auftragen, mit den Wattedingern weg… shit, die sind schon wieder leer! Dann muss ich mein Gesicht wohl unter dem fliessenden Wasser abspülen und nach der Schule neue… öhm, wie heissen die Dinger eigentlich? Watterondellen steht auf der Packung… Also, nach der Schule neue Watterondellen kaufen. Nun muss ich mich aber sputen, dass ich den Bus nicht verpasse!
Am Abend nach der PH laufe ich schnell in den Coop, denn in wenigen Minuten schliesst er. Vor dem Regal stelle ich verwundert fest, dass es 8 verschiedene Sorten Watterondellen gibt. Ich wähle das Produkt von der Marke Coop Naturaline, weil die aus 100% Bio-Baumwolle hergestellt ist.
Später im Zug nach Hause ist mir langweilig. Die Zeitung habe ich am Morgen gelesen, das Sudoku auch schon gelöst, also nehme ich meine Watterondellen hervor und lese, was auf der Packung steht.

Respekt gegenüber Mensch und Natur und ausgezeichnete Hautverträglichkeit für Sie.

Gut, dann habe ich ja das richtige Produkt gekauft.

Dieses Coop Naturaline Produkt wurde nach folgenden Grundsätzen hergestellt:
- aus biologisch angebauter Baumwolle
- Prämie für die Bio-Bauern
- mit Sauerstoff gebleicht (ohne Chlor)
Das Produkt erfüllt höchste ökologische und soziale Kriterien. Alle Stufen der Prozesskette werden von unabhängigen Instanzen kontrolliert.


Das Wort Prozesskette bringt mich zum Nachdenken. Wie viel Arbeit wohl in diesem 20 cm² Wattekreis steckt?
Zuerst muss jemand dafür Baumwolle anpflanzen, sie pflegen und schliesslich ernten. Danach wird die Baumwolle wahrscheinlich gewaschen und gebleicht und dass geschieht vermutlich nicht beim Baumwollbauern. Das heisst, es braucht ein Baumwoll-Taxi (Velo, Lastwagen, Schiff… was auch immer). Dann werden die Baumwollfasern irgendwie gebürstet und das Produkt wird ab jetzt Watte genannt. Die Watte kommt wiederum (nun per Watte-Taxi) an einen anderen Ort. Nun wird die Watte in die richtige Form gebracht. Flach und rund heisst es jetzt Watterondelle und wird mit 79 anderen Watterondellen in eine Plastiktüte gepackt. Gut verpackt werden die Rondellen ins Hauptlager von Coop gebracht, von wo aus diese Packung in meinen Händen in den Coop Rorschach geliefert wurde und von einer/einem Mitarbeiter/in ins Regal gelegt wurde.
Nicht schlecht, was? Da steckt ganz schön viel Arbeit dahinter. Und noch was: Das Wegwerfproduckt, mit dem ich mir morgens und abends den Dreck aus meinen Poren entferne, ist schon um die halbe Welt gereist.
Da kann man wirklich mal sagen: Klein, aber oho!

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